Woher stammen Ärzte, die eine Weiterbildung als Facharzt anstreben? Eine Statistik der Landesärztekammer Hessen gibt Aufschluss. Die Ergebnisse lassen sich bundesweit übertragen. Weit über die Hälfte der Auszubildenden war weiblich. Ein gutes Drittel der Ärzte in Weiterbildung stammte dabei nicht aus Deutschland. Wichtige Erkenntnisse für die Suche nach einem Nachfolger beim Praxisverkauf.

Derzeit befinden sich 6.331 Ärzte in Weiterbildung, davon war der Großteil weiblich (58 %). Die meisten Ärzte entschieden sich dabei für die Innere Medizin (27,7%), gefolgt von den Fachrichtungen der Chirurgie (17,2 %), Anästhesie (9,5%) und Allgemeinmedizin (6,5).

Ausländische Ärzte

Das Weiterbildungsregister der Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen weist einen steigenden Anteil ausländischer Ärzte aus. 27 Prozent der Ärzte in Weiterbildung in Hessen stammten demnach aus dem Ausland, 62 Prozent aus Drittländern außerhalb der Europäischen Union (EU). Hiervon stammte die Mehrheit Syrien, folgend Ägypten und Serbien. Der Großteil der europäischen Ärzte in Weiterbildung stammte aus Rumänien, dem folgend Bulgarien und Griechenland. Die Statistik führt den Anteil der Ärzte mit ausländischem Pass auf; sie nimmt nicht Bezug auf den Ort des Medizinstudiums.

Approbation in Deutschland

Dies geht einher mit einer steigenden Zahl an Antragstellern auf Approbation aus dem Ausland. Aus unserer Erfahrung haben viele Antragstellern erhebliche Probleme im Approbationsverfahren. Das ist kein ausschließliches Verschulden der Behörden. Probleme entstehen meist bereits bei der Antragstellung, weil Unterlagen, Bestätigungen oder Übersetzungen fehlen oder die Behörde schlicht unzuständig ist. Hier besteht ein erheblicher Beratungsbedarf der Antragsteller.

Auch das kann Relevanz bei der Suche nach einem Nachfolger haben. Das sollten Ärzte beim Verkauf ihrer Praxis berücksichtigen.

Suche nach einem Nachfolger

Die Suche nach einem Nachfolger sollte sich nie auf einen bestimmten Typus „Arzt“ beschränken. Jeder Interessent ist anders. Das sollten Praxisverkäufer beherzigen – selbst wenn sie es gerne anders sehen würden.

Neben „erfahrenen Fachärzten“ können auch Ärzte in Weiterbildung durchaus potentielle Nachfolger sein. Nicht selten binden wir bereits Weiterbildungsassistenten in einem Praxiskaufvertrag, um auf beiden Seiten die Chancen auf eine Nachfolge zu erhöhen. Die Zielgruppe bei den Weiterbildungsassistenten ist nicht ausschließlich männlich. Längst haben Frauen den Anteil der Männer im Medizinstudium überholt. Das muss den Praxisverkäufern bewusst sein. Aber auch sonst sind die Unterschiede nicht unbedingt groß. Bei der Beratung fällt auf, dass sich die Interessen und Ansprüche der Käufer stark geändert haben: Bei sämtlichen Geschlechtern dreht sich vieles zunehmend um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, einschließlich einer geeigneten Kinderbetreuung. Digitale Patientenverwaltung, Sicherheit und Organisation runden die Themengebiete ab.

Optimierung der Praxis vor Praxisverkauf

Praxisverkäufer müssen daran arbeiten, die eigenen Praxisabläufe zu strukturieren, ggf. zu digitalisieren, aber auch für die potentielle Zielgruppe und deren Wünsche attraktiver zu machen. Sowohl bei der Beratung der Ärzte im Rahmen des Praxiskaufvertrags als auch bei der der Beratung zur Praxisoptimierung fällt auf: Bedeutung erlangen zunehmend

  • steuerliche und wirtschaftliche Auswertung der Praxiszahlen
  • Anpassung bestehender Verträge (Übersicht, Laufzeit und Verständlichkeit)
  • Verbesserung und Dokumentation der Praxisabläufe, einschließlich Potentialen bei der Digitalisierung
  • Analyse des Praxisumfelds – das heißt die regionalen Gegebenheiten vor Ort

Damit steigern Ärzte ihre Chance einen Praxisnachfolger zu finden oder auf einen attraktiven Praxiskaufpreis. Nur wissen sie nicht immer wie.

Zuschüsse und Fördermittel vom Staat

Praxisverkäufer sollten daher wissen, dass Ihnen staatliche Fördermittel zustehen. Diese können durchaus eine Erstattung von 50 % der Beratungskosten und mehr beinhalten. Die Beratungsförderung kann ein Einstieg in die Nachfolgersuche und Optimierung der Praxis sein. So gibt es spezielle Fördermittel für Beratungen rund um Nachfolge und Unternehmensentwicklung. Förderfähig sind beispielsweise Beratungen zur Praxisstrategie, Digitalisierung, Qualitätssicherung, Kooperationen, Organisation und Praxisabläufe, Umwelt und Nachfolge.

Die Kassenärztlichen Vereinigungen bieten häufig weitere Angebote für Ärzte in strukturschwachen Regionen.

Erleichterung beim Praxiskaufvertrag

Die Kenntnis sämtlicher Praxisverträge, die Übersicht der wirtschaftlichen Situation der Praxis sowie eine saubere Dokumentation erleichtern letztlich auch die Gestaltung des Praxiskaufvertrags.

Ärztliche Strukturen in der Region

In manchen Gebieten sind nicht nur die einzelnen Ärzte von der Suche nach einem Nachfolger betroffen, sondern auch ganze Gemeinden sowie weitere Gesundheitsberufe, einschließlich Apotheken und Ärztehäuser. Fällt doch manchmal ein zuweisungskräftiger Arzt oder gar der einzige Fach-/Hausarzt vor Ort weg. Das bedeutet zugleich einen potentiellen Umsatzverlust für weitere Gesundheitsberufe und gegebenenfalls deren Nachfolgersuche. Patienten müssten sich letztlich überragional orientieren und Ärzte in anderen Orten aufsuchen. Initiatoren einer Beratung zur Praxisnachfolge sind daher gelegentlich auch Dritte.

Wie sich selbst Gemeinden mittlerweile um Nachfolger bemühen, zeigt beispielhaft ein Fall aus Hahn-Lehmden (Landkreis Ammerland), die per Videobotschaft einen Nachfolger suchten (Quelle: NDR). Dies zeigt, dass auch die regionalen Politiker, die Patienten und weitere Beteiligte die Praxisnachfolge unterstützen können. Auch hier ist Erfahrung durch Experten bei der Suche eines Nachfolgers hilfreich.

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